Bei den ambitionierten Zusammenstellungen des Münchener Labels läuft der Schreiber Gefahr, sich zu wiederholen. Aber auch dieser Sampler ist eigentlich ein Hörbuch: ein fundiert recherchierter Aufsatz von Jonathan Fischer illustriert die akustischen Beweise, wonach Soul auch lange nach Marvin Gaye noch Gesellschaftskritik transportieren kann und in den letzten zehn Jahren, die hier im Fokus stehen, Inhalte bzw. Botschaften überbracht hat.
Künstler wie Anthony Hamilton, Donnie, Jill Scott und Erykah Badu sind die Protagonisten, die sich bewusst vom „Rihannanismus“ im R&B distanziert haben. Weil in den letzten Jahren ein breites Publikum das gar nicht mehr mitbekommen wollte, leistet dieser Sampler einen so wichtigen Beitrag zur Nachjustierung des Geschmacks. Der Kurator der Soul-Ausstellung hat darauf geachtet, den Soulbegriff weit auszulegen und zeigt auch Bastarde mit Hip Hop auf wie „Strong“ von Kyle Jason, einem Musiker aus dem Umfeld von Public Enemy. Und so schließt sich der Kreis.
Übrigens auch am Ende der Aufreihung von 15 anspruchsvollen Werken der Black Music: die gepickte Version von „Paint The White House Black“ steht nicht ohne Grund als Abschluss; demonstriert sie doch, dass sich Hoffnung erfüllen kann. Alle Mitwirkenden auf dieser Platte (und die Protagonisten des „Message Soul“ der 60er und 70er) haben mit dazu beigetragen, dass der Friedensnobelpreis für Barack Obama auch Symbolcharakter hat und allein deshalb angemessen ist.
Künstler: Various Artists | Album: Message Soul: Politics & Soul in Black America 1998-2008 | Label: Trikont | VÖ: 7. August 2009 | Album des Monats: Oktober 2009
Kommentar hinterlassen